Nein es folgt keine Viagra-Werbung, sondern es geht um die Magie großer Zahlen und Homöopathie...aber ich dachte die Überschrift bringt bestimmt ein paar zusätzliche Klicks :-P
Denken wir mal an große Zahlen...nein - größer...und jetzt mal richtig groß - was fällt einem dazu ein? Vielleicht etwas in Richtung Trilliarden? Quadrilliarden? Spätestens dann ist es aber wohl für die meisten mit der Nomenklatur zu Ende...und das schadet auch nichts, denn 1) kann man sich diese Mengen sowieso schon nicht mehr vorstellen, 2) kommt man nur selten in die Verlegenheit solche Mengen bezeichnen zu müssen.
Eine Quadrillarde sieht ausgeschrieben so aus: 1.000.000.000.000.000.000.000 - das sind schon ne Menge Nullen...und da wir in der Regel faul sind, gibt´s dafür eine Kurzschreibweise - als Zehnerpotenz: 10 hoch 21 (weiß nicht, wie man hier Zahlen hochstellen kann...ich kürze das "hoch" ab jetzt mit "E" ab). Ok, also 10E21, eine Quadrilliarden ist viel, da sind wir uns einig...in der Welt der kleinsten Teilchen kommt man aber in solche Größenordnungen. Ein Liter Wasser enthält z.B. rund 10E24 Wassermoleküle.
Die größte Zahl, die einen "offiziellen" Namen hat, ist der Googolplex - 10E100. Das Auszuschreiben habe ich weder Zeit noch Lust. Was kann man mit so einer Zahl beschreiben...schwierig - die Zahl der Teilchen im Universum liegt so ungefähr bei 10E80. Stellen wir uns vor, all diese Teilchen hätten seit der Entstehung des Universums in jeder Sekunde ein Lichtquant ausgesandt...dann wären wir ungefähr am Ziel (ok "vorstellen" geht natürlich nicht wirklich). Kurz - kein Mensch braucht solch hohe Potenzen, oder? Falsch! Ein Menschenschlag GEbraucht sie sogar tagtäglich: Anhänger der Homöopathie.
Ich hab mich oft gefragt warum - Zyniker könnten darauf kommen, dass die Homöopathie sich in solch hohen Potenzen abspielt, weil Menschen erwiesenermaßen mit diesen Zahlen nur sehr schlecht umgehen können - wir neigen dazu die Dimensionen unglaublich falsch abzuschätzen.
An dieser Stelle helfen oft konkrete Beispiele:
Ein Klassiker ist das Schachbrett mit Reis - nehmt ein Schachbrett und legt aufs erste Feld ein Korn, aufs zweite 2, aufs dritte vier usw. setzt das fort, bis das Feld voll, oder euer Reis alle ist...auf dem letzten Feld müssten am Ende 2E63 Reiskörner liegen...ok das ist wieder schwer vorstellbar...nehmen wir erstmal das elfte. Da liegen 1.024 Körner - wenn ihr grad viel Zeit habt - auf in die Küche und zählen...das ist schon ein erstaunlich großer Haufen Reis! Tatsächlich bräuchte man um das 64. Feld zu füllen das 800fache der Weltjahresproduktion an Reis - autsch. 2E63 das ist ungefähr 10E20 hat uns also schon ein Schnippchen geschlagen.
Was tut nun die Homöopathie? Hier werden Konzentrationen als D, C, Q, oder M Potenzen angegeben...da wir aufs Zehnersystem trainiert sind, bleibe ich mal bei den D-Potenzen - eine Stufe in der D-Reihe heißt einmal 1:10 verdünnen. D3, also dreimal 1:10 = 1:1000 - nebenbei ist noch festgelegt, wie oft geschüttelt werden muss - aber das können wir hier vernachlässigen.
Die erste Grenze für meinen beschränkten Verstand durchbrechen wir spätestens bei D9 - Verdünnung eins zu einer Milliarde - der Stoff wäre dann noch in ppb-Konzentration (im Englischen gibt´s keine Milliarde - "Billion" ist 10E9) vorhanden. Damit haben wir eine Reinheitsstufe erreicht, die man mit elektrolytisch erzeugtem Reinstwasser realisieren kann...also selbst unter besten Bedingungen ist "irgendwas" in dieser Konzentration im Wasser - und wird somit auch weiter Potenziert.
Die nächste Grenze durchbrechen wir bei D24 - ab jetzt ist weniger als ein Molekül des Wirkstoffes im Wasser, für Beschränkte heißt das nu is vorbei mit jeglicher Wirkung...für Homöopathen geht der Spaß jetzt erst los! Das dumme bei der Art von Statistik ist nur...man weiß ja nie, wo sich das verdammte Molekül grad aufhält...wenn es aber egal ist, ob es nun in der Lösung verbleibt oder nicht, finde ich das doch zumindest merkwürdig.
Tatsächlich ist es in der Praxis leider so, dass man schon weit vor diesem Punkt die Grenze der präparativen Möglichkeiten verlässt...eine schöne Übung für Laborneulinge ist das Ansetzen einer Fluoreszenzfarbstofflösung (einfach) und die Reinigung der Geräte danach... jeder, der das einmal durchexerziert hat, weiß, dass Verdünnungen wie D9 (ungefähr da ist die Nachweisgrenze) auf einmal überall auftauchen - selbst wenn man vermeintlich sauber arbeitet, klebt Farbstoff an Ecken, wo man ihn nie gesucht hätte... wenn unser Homöopath es also tatsächlich schaffen sollte eine D24 zu präparieren, die ihren Namen verdient, schulden wir ihm riesigen Respekt.
Zwei Schallmauern sind durchbrochen - und wir sind noch lange nicht am Ende - und davon ab hab ich ja den Googolplex auch nicht aus Spaß eingeführt (10E100 - wir erinnern uns). Man findet Verdünnungen bis zu D20.000. Da fragt man sich doch so einiges... z.B. WIE ZUM GEIER SOLL DAS GEHEN? Wenn unser Wirkstoffmolekül mit aller Materie des Universums in Wechselwirkung stände, hätten wir gerade mal ein D80 erreicht - es erscheint vernünftig anzunehmen, dass nur eine Untermenge aller bekannten Materie zur Verdünnung verwendet werden kann (Athene sagt an diesem Punkt "du musst auch schütteln"....jaaaaaa).
Mit ähnlichen Überlegungen kommen wir auch auf eine Art "Halbwertzeit" einer homöopathischen Verdünnung, denn wie Aquarne richtig angemerkt hat, ist doch eigentlich alles ganz einfach: Man nimmt 1g Substanz, tut 9g Wasser drauf (D1) schüttelt, nimmt wieder 1g Lösung 9g Wasser usw...das ganze 20.000 mal und wir haben D20.000 (alle Überlegungen zur Präparation und der Reinheit des Wassers mal außen vor gelassen...) - nun haben wir insgesamt 180L Wasser eingesetzt um 10 ml Lösung zu erzeugen (krasser Wirkungsgrad, aber ok...wenns hilft). Gleichzeitig haben wir jetzt aber insgesamt 179,99L Abwasser in unterschiedlichen Potenzen - das nimmt den Weg alles Irdischen und kommt irgendwann wieder aus der Leitung. Nun haben wir zwei Möglichkeiten: 1) Unsere Klärwerke entfernen nicht nur Dreck, sondern auch Schwingungen 2) Aquarne hat allen Homöopathen, die am selben Leitungsnetz hängen, die Tour versaut...denn auf einmal steckt Info im Wasser (zwar nicht verschüttelt, daher noch schwach....aber da).
Zum Abschluss noch ein Rezept für ein Anti-Kater-Mittel à la Lichtmaler:
Stellt eine Flasche Wasser und eine Flasche Bier nebeneinander in den Kühlschrank. Durch Diffusion wird nun selbst nach relativ kurzer Zeit Ethanol im Wasser angekommen sein - wie viel weiß ich auch nicht, aber ein moderates D sollte bei rauskommen. Von dieser Stammlösung machen wir nun eine Verdünnungsreihe (wie oben ausgeführt - immer schön 1:10), wiederholt solange ihr Lust habt. Nach dem nächsten Saufgelage einfach einen Fingerhut von dieser Lösung einnehmen - aber Vorsicht nicht mehr, sonst werdet ihr nicht nüchtern, sondern knurd (google hilft)...und das wünsch ich keinem!
Inspiriert durch diesen freigeistigen Thread.
Korrektur:
Nach PN vom Exoten (danke!) muss ich eine Kleinigkeit korrigieren (kommt davon wenn man seinem Gedächtnis traut)...10E100 heißt nur Googol, der Gogoolplex ist 10E(10E100) und die Zahlentheoretiker schmeißen mit noch größeren Zahlen rum...für die Betrachtungen hier soll das Googol aber groß genug sein denke ich ;)
28. Januar 2008
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19 Kommentare:
LOL! endlich mal wieder ein guter und witziger Artikel vom Lichtmaler, hast ja lang nix mehr von Dir hören lassen.
Obwohl ich ein befürworter der Homöopathie bin, weils so vielen hilft - warum auch immer -, finde ich die Ausführung von Dir sehr gut, sofern denn wirklich die Stofflichkeit der potenzierung gemeint ist. Bin leider kein Experte auf dem Gebiet, aber diese Betrachtung finde ich sehr interessant.
Grüße
Vor ein paar Tagen habe ich eine Sendung gesehen, wo ein Arzt in einem Kinderkrankenhaus ( Schulmediziner) einem Kind ein Schlangengift verabreichte / spritzte, daß laut Ausage so verdünnt war: "Mußt Du Dir vorstellen, wie ein Tropfen des Giftes in die gesamte Ostsee"
Und was stellt das dann dar?
LG
Sparta
Anmerkung zum ersten post:
Wie kommt man denn darauf, zu sagen das Universum hätte so und so viele Teilchen?
Also irgendwie hab ich damit Probleme, wenn jemand/ oder viele sagen das das Universum soundso viele Teilchen hätte. Das kann man einfach nicht wissen und ist somit auch nur Theorie...
Jaja, ich bin ein Ketzer - aber im Ernst: wie soll man sowas feststellen können?
Hi woozy,
das muß man auch nicht wissen, genau so wenig, wie das eine Theorie ist.
Aber du hast doch bestimmt schon mal was von schätzen gehört? Und wenn man um den Faktor 10, 100 oder 1000 danebenliegt, macht das auch nix. Paßt immer noch.
Das ist so, als ob bei Bill Gates auf dem Konto 100 Dollar fehlen...
CT-Alex
ok, in der Größenordnung wo sich das ereignet magst du (vielleicht) recht haben und trotzdem finde ich solche Äusserungen mindestens genauso anmassend, wie sie andere über z.B. die Homöopathie empfinden.
Man kan eben einfach nur das Messen, wofür man die entsprechenden Messgeräte nebst Ausstattug hat und da fehlt einfach noch so einiges...
Und bei empirischer Wissenschaft wo alles verifiziert sein soll, lass ich Schätzungen einfach mal nicht gelten :P
zu "knurd":
ohh, ein Scheibenwelt Fan?
Also, der Gedanke, das Wasser durch potenzieren und schütteln Informationen speichern könnte, macht mir irgendwie Angst.
Man stelle sich vor jemand pieselt in Fluss, dieser wird dann an Wasserfällen quasie geschüttelt und letztendlich im Ozean verdünnt.
Ich habe damit auch so meine Probleme. Hier Wirkstoff ... da Wirkung. So muss es für mich Materialisten laufen. :)
Ich meine, wenn ich ein halbes Bier in die Badewanne schütte, kann ich sie austrinken, besoffen werden ich davon nicht. Glaube ich jedenfalls - probiert habe ich es noch nicht. *g*
Aber irgendwie soll ja was dran sein. Ich habe noch nichts in der Richtung probiert. Aber meiner Katze hat es geholfen.
Kommt es nicht auch noch darauf an, in welche Richtung gerührt wird?
Da hakt es bei mir dann spätestens aus.
Also wenn es sogar Tieren hilft, dann wäre ja sogar die Placebo-Frage schon beantwortet...
Placebo?
Es hilft Katzen?
Ja! Weil sich der Besitzer das einbildet und sogar Tauben anfällig für Aberglauben sind!
Ungläubiger, bis zum Tod :D
Wer kommt eigentlich auf die Idee, eine Zahl mit vielen Nullen am Ende sei hoch?
Die Null ist das Nichts.
Die höchste Zahl ist die 9. Alles andere sind nur Multiplikatoren und Ergänzungen.
interessante Sichtweise...allerdings ist ein Multiplikator (und jede neue Stelle bring die Basis als Multiplikator dazu) schon geeignet einen Menge spürbar zu vergrößern, oder?.
Zahl und Ziffer...hier gilt es zu utnerscheiden
Kleiner Hinweis: Für Potenzen wird in der Regel '^' benutzt (2^3 = 8). Das 'E' hat eine andere Bedeutung, nämlich das Verschieben des Kommas. 2E3 = 2*10^3 = 2000. Insbesondere ist 10 = 1E1 und 100 = 1E2.
:-)
Hallo Lichtmaler! :-)
Zunächst, eine interessante Darstellung von dir!
Darf ich aber mal kurz "klugscheißen"? ;-)
Die Sache mit dem Gogool hat mich irgendwie näher interessiert.
Also habe ich mal gegoogelt und anfänglich nicht viel gefunden, weil es falsch geschrieben wurde.
Also nicht "Gogool", sondern "Googol" heißt es richtig.
Bei Wikipedia wird man unter der richtigen Schreibweise auch findig.
Und dort heißt es, dass ein Googol "10^100" ist.
Ein Googolplex dagegen ist "10^Googol"
Diese Zahl kann man beliebig vergrößern, indem man immer wieder das "plex" hinten dran hängt.
Und wem der Begriff "Googol" unter der richtigen Schreibweise irgendwie bekannt vorkam, der lag auch damit richtig.
(So ging mir das jedenfalls, als ich das Wort unter der richtigen Schreibweise gefunden habe.)
Die Suchmaschine "Google" hat ihren Name wirklich von "Googol" abgeleitet.
(Ich hatte mich schon immer gefragt, warum Google eigentlich Google heißt. Ich brachte das immer irgendwie mit "gucken" oder "Augen" in Verbindung. *g*)
Zitat aus dem Wiki:
Von Googol leitet die Suchmaschine Google ihren Namen ab, angelehnt an das Bestreben, möglichst viele Internetseiten zu indizieren. Der Name des Firmenhauptsitzes lautet Googleplex in Anlehnung an den Googolplex.
Das wollte ich nur mal dazu einwerfen. Der wissenschaftlichen Korrektheit zu Liebe. ;-)
(Und als kleiner "Aha"-Effekt am Rande.)
mfg
ChinaFan
Himmel...da hatte ich anscheinend wirklich keinen guten Tag...Bezeichnung falsch, schreibweise falsch, und bei der Notation auch noch unpräzise (wobei ich den Unterschied zwischen E und ^ wirklich kenne, dachte es stört keinen ;) ).
Googol/-plex hab ich ja schon korrigiert...die Schreibweise mach ich sofort.
Habt ihr auch ein Mittel die Potenz zu mindern?????
Lichtmaler: ICH hatte es dir vor paar Tagen richtig gemailt (wegen "googol/-plex"); hatte mich schon gewundert, dass du es nicht gleich mit korrigiert hast. Bin also unschuldig.... ;D
... und hier extra für den Lichtmaler nochmal Infos aus dem Netz:
Googol
Googolplex
Mögen diese Zahlen und die Schreibweise ihrer Namen nie wieder Probleme bereiten!
(sonst wird es Zeit für einen "Mathe-befreit-Blog"...)
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